Karl Wagner ist Geschäftsführer der CUBES GmbH. (Foto: CUBES)

Salzburger Innovationsgeist: Karl Wagner

Karl Wagner ist Geschäftsführer der CUBES GmbH, einer innovativen Produktionsfirma von Formen für Bauteile von Flugzeugen und Autos. Herkömmliche Verfahren sind teuer und zeitaufwändig. Bisher konnten Formenbauer nur große Blöcke gießen und daraus mit der Fräse die endgültige Form zuschneiden. Viel Verschnittmaterial, lange Bearbeitungszeiten und Lieferzeiten sind die Folge.

Ein Zustand, den drei innovative Unternehmen nicht hinnehmen wollten: das Unternehmen MIKADO SMART ENGINEERING aus Osttirol, das im Vorrichtungsbau für die Luftfahrtindustrie tätig ist, die Fräserei Moldtech Modell- und Formenbau aus Salzburg und Karl Wagner mit seinem ehemaligen Autozuliefererbetrieb Carbo Tech, haben sich für die Entwicklung einer neuen Lösung zur Produktion von Formen und Modellen zusammengetan.

Das Matrixwerkzeug nähert sich der Kontur an. (Foto: CUBES)

Die Idee war, ein formveränderliches Werkzeug zu bauen. In vielen Entwicklungsschritten entstand ein mittlerweile patentiertes Matrixwerkzeug der Firma CUBES. Die Maschine nähert sich mit einem Raster an die endgültige Form an. Sie positioniert 6.000 Blockelemente automatisiert, so dass jede beliebige Form im Rahmen von 3x2x1,5m gegossen werden kann. Die Kundschaft von CUBES kann die gewünschte Form in die eigens dafür entwickelte Software hochladen, welche die Geometrie an die Maschine weitergibt.

Das Verfahren von CUBES bietet mehrere Vorteile. Im Gegensatz zum 3D-Druck können sehr große Bauteile produziert werden. Die Formen von CUBES können mehrere hundert Liter messen. Ein 3D-Drucker kann diese Materialmenge nicht verarbeiten. Indem sich die Kontur an die endgültige Form annähert, sparen die Fräsbetriebe – die direkte Kundschaft von CUBES – außerdem einiges an Verschnittmaterial ein. Die Form wird außerdem aus einem Stück gegossen, es müssen daher nicht verschiedene Teile zusammengeklebt werden, wie in anderen Produktionsverfahren. Die Kundschaft spart bis zu 40 Prozent an Produktionskosten ein. Das ganze Verfahren ist schneller, effizienter, günstiger und umweltfreundlicher.

Im Interview erklärt Karl Wagner, was es für Innovation braucht, wie wichtig das Arbeitsumfeld dafür ist und welche Rolle Förderungen bei Innovation spielen.

Cubes wurde letztes Jahr zum Born Global Champion gekürt. Außerdem haben Sie 2019 den Staatspreis für Digitalisierung und den zweiten Platz beim WIKARUS, dem Salzburger Wirtschaftspreis, gewonnen. Was bedeuten solche Awards für Sie?

Es ist immer eine Bestätigung dessen, was man tut. Wenn man sich Innovation auf die Fahnen schreibt, ist das natürlich schön, wenn das auch für andere sichtbar ist. Das ist einfach eine Bestätigung dafür, dass man hier nicht komplett in die falsche Richtung unterwegs ist. Das ist vor allem auch für die Mitarbeiter:innen schön. Es ist ein tolles Zeichen am Markt, dass man hier gesehen wird und was Besonderes geleistet hat. Und klar, jeder steht gerne auf der Bühne und kriegt einen Preis.

Sehen Sie sich selbst als Gamechanger?

Ich sehe mich als Techniker. Ich bin Techniker mit Herzblut. Das ist einfach meins. Im Grunde sehe ich Herausforderungen und versuche, die irgendwie besser zu machen.

Sie geben sich also nicht mit dem Status Quo zufrieden?

Das auf keinen Fall. Der Ingenieur in mir treibt mich voran, Sachen besser zu machen und was zu entwickeln. Wenn man Glück hat, macht die Entwicklung dann auch einen Sinn.

Die finale Kontur einer Form. (Foto: CUBES)

Ist Nachhaltigkeit für Sie als Entwickler ein großes Thema?

Ja, das ist ein großes Thema. Wir sitzen alle auf der gleichen Kugel und wir müssen schonend mit ihr umgehen. Ich bin aber überzeugt, dass das auch ohne Verzicht funktioniert. Wir schaffen das gleiche Produkt für den Kunden mit deutlich weniger Energie- und Materialaufwand. Das ist doch genau Innovation!

Umweltschutz darf man niemals als Jobvernichter sehen, sondern als Jobbringer. Als Unternehmen muss man sich nur darum kümmern, dass man in vorderster Reihe steht. Dann gibt es da so viele Chancen und Möglichkeiten. Wenn man einmal eine nachhaltige Denkweise verinnerlicht hat, macht es echt Spaß, in dem Bereich aktiv zu sein und Fortschritte zu machen. Ohne Verzicht. Das ist ja die Kunst.

Ist Innovation also auch sowas wie eine Haltung oder Einstellung?

Ja, auf jeden Fall.

Wie wichtig sind Ihre Mitarbeiter:innen für ein innovatives Unternehmen?

Die Mitarbeiter:innen sind alles. Als Geschäftsführer kann ich eine Richtung vorgeben und Ideen haben, aber die Mitarbeiter:innen sind jene, die die Idee umsetzen. Es sind immer die Leute im Unternehmen, die Innovation mittragen. Die Innovation entsteht in den Köpfen, die Anlagen oder die Software sind die Resultate daraus.

Welche Rolle spielen Förderungen bei Innovation?

Grade, wenn Sie im Maschinenbau tätig sind, braucht es Geld. Und es braucht jemanden, der das Geld hat. Das Geld haben entweder die Eigentümer:innen oder Investor:innen, was gerade auch am Anfang schwierig ist, oder sie bekommen es über Förderungen. Daher sind Förderungen immens wichtig. Wir werden vom ITG – Innovationsservice für Salzburg bei diesem Thema begleitet. Ohne einer Förderung hätten wir die Maschine nicht entwickeln können, das muss man so sagen. Die Förderberatung funktioniert in Salzburg hervorragend. Da ist die Infrastruktur ausgezeichnet.

Ist der 3D-Druck für Ihre Technologie eine Konkurrenz?

Ja, ein stückweit schon. Wir haben uns am Anfang der Unternehmensgründung die Frage gestellt, ob es sein kann, dass wir irgendwann einmal durch 3D-Druck ersetzt werden. Der 3D-Druck hat aber ein paar konzeptionelle Nachteile. Zum einen tut er sich schwer mit so großen Bauteilen. Unsere Bauteile können mehrere hundert Liter messen, der 3D-Drucker kann solche Materialmengen nicht verarbeiten. Da bräuchte es eine neue Technologie von 3D-Druck.

Außerdem braucht es ein anderes Material, dass sehr schnell erstarrt oder aushärtet. Da gibt es Ansätze dafür mit Thermoplast, also mit schmelzbaren Kunststoffen. Diese lassen aber nicht beliebig große Volumen zu, denn beim Abkühlen entstehen Spannungen. Wenn man dort hineinfräst, verzieht sich das Material, weil die Spannungen frei werden.

Wir sehen beim 3D-Druck daher derzeit keine große Konkurrenz. CUBES hat hier eine komplett neue Werkzeugklasse geschaffen und kann damit alle möglichen Industrieanwendungen rund um Auto und Flugzeug bedienen.

www.cubes-gmbh.com

Gepostet am 25.08.2021

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