(Foto: ORIGINAL+)

Mit künstlicher Intelligenz zum perfekten Schwung auf der Piste

Künstliche Intelligenz kann helfen, bessere Skifahrer:innen aus uns zu machen. Wie das geht? Indem sie den perfekten Ski für uns herausfindet.

Die Salzburger Skifirma ORIGINAL+ hat sich genau das zum Geschäftsmodell gemacht. „Marcel Hirscher hat durch intensives Skitesten das perfekte Setup für sich gefunden und damit den Ski, der am besten zu ihm passt. Im Massenmarkt ist dieses intensive Skitesten natürlich nicht möglich“, sagt ORIGINAL+-Geschäftsführer Siegfried Rumpfhuber. Er ist ehemaliger FIS-Rennfahrer und ist seit vielen Jahren im Skibusiness tätig. 2018 gründete er seine Skifirma, um custom ski auf den Massenmarkt zu bringen.

Vier Parameter zum passenden Ski

Was bedeutet Ski-Setup und custom ski? Es geht darum, dass der Ski so gebaut ist, dass er zum Körperbau, zum Können und zum Fahrstil der Fahrer:innen passt. Beratungsgespräche im Sporthandel können solche Basisdaten zwar ermitteln, sie stoßen dabei aber an Grenzen, aus der Masse an Skimodellen den richtigen für die Kundschaft herauszufinden.

Bei ORIGINAL+ ersetzt der KI-Konfigurator „ORIGO“ das Beratungsgespräch im Handel. Um den passenden Ski für sich zu ermitteln, können die Kund:innen direkt auf der Webseite von ORIGINAL+ ihre Daten in den Konfigurator eingeben. Die Daten, die abgefragt werden, reichen von Körpergröße und -gewicht, bis zum bevorzugten Fahrstil und Gelände, dem Können, die Häufigkeit, die der Ski genutzt wird bis hin zur bevorzugten Skiregion (der Schnee in Europa ist ein anderer als in Nordamerika oder Asien).

Aus diesen Daten rechnet ORIGO den am besten passenden Ski aus. 1.800 verschiedene Varianten sind möglich. Der Ski wird im Bau in der Länge und Breite, im Längsflex (Durchbiegung des Skis durch Druck), in der Verwindesteifigkeit (Torsion), sowie in den Tuningparametern Kantwinkel und Belagsstrukturen angepasst. „In meiner langen Karriere habe ich zu verstehen gelernt, welche Änderungen am Ski für die durchschnittlichen Skifahrer:innen spürbar sind. Das sind nur diese wenigen Parameter, die machen aber den Unterschied aus.“

Diese Komponenten können durch die Form des Holzkerns, der Art und durch verschiedene Einlagen wie Glasfaser oder Carbon beeinflusst werden. Das Ergebnis ist ein individuell angepasster Ski, der das Können und die Fahrweise der Kundin oder des Kunden berücksichtigt.

Customized Ski durch Künstliche Intelligenz und perfektem Skibau. (Foto: ORIGINAL+)

Automatisiert, digital und direkt

Die Qualität des Skis ist im High-End Bereich, der Preis aber im mittleren Segment. Das wird durch die Software ermöglicht, welche das Beratungsgespräch automatisiert. Außerdem gibt es bei der Salzburger Skifirma keine Lagerhaltungskosten, da erst nach Auftragserstellung produziert wird. Verkauft wird außerdem nur im Direktvertrieb.

Die Software ORIGO stammt aus dem Hause Fact AI, einem Salzburger KI-Startup. Ihre Kernkompetenz liegt in guided selling software, also Software, die die Kundschaft im Kaufprozess durch die Abfrage von Daten unterstützt. In genau diese Kerbe schlägt ORIGO.

Beratung digital und objektiv

ORIGINAL+ füttert die Software mit immer neuen Daten, wodurch sie ihre Konfiguration auch immer mehr verbessert. So werden Daten aus den Bewegungswissenschaften herangezogen und das Feedback von Skitester:innen eingearbeitet. Der Vorteil von ORIGO ist, dass die Software meinungsunabhängig und auch nicht von Skimarken abhängig ist. Das Personal im Sporthandel hat oft eine eigene Meinung, welches Skimodell oder welche Marke die Beste ist. Eine Software objektiviert die Daten und berechnet das beste Ergebnis passend zu den eingegebenen Daten.

Mit dem Konfigurator hat ORIGINAL+ ein Alleinstellungsmerkmal am Skimarkt. Um den Kund:innen den passenden Ski anbieten zu können, hat die Skibranche den Markt mit immer mehr Modellen überschwemmt. Das Ergebnis ist ein Markt mit über 1.400 Modellen (ohne Längenunterschiede). In dieser Masse haben Kund:innen den Überblick verloren, den passenden Ski zu finden ist quasi unmöglich. Es gibt kleine Konfiguratoren, die aber nur Basisdaten ermitteln und wenig Mehrwert bieten.

Der KI-Konfigurator berechnet anhand der Daten den passenden Ski. (Screenshot Webseite)

Durch 2 Minuten 2 Millionen zu größerer Digitalisierung

Mit der Digitalisierung bietet sich für ORIGINAL+ also eine große Chance am schwierigen Skimarkt. Mit dem Geschäftsmodell konnte Siegfried Rumpfhuber auch bereits bei der Investmentshow „2 Minuten 2 Millionen“ punkten. Florian Gschwandtner, Gründer von runtastic, investierte mit seiner Firma 8eyes. Die Firma ist Profi im digitalen Business und will die Digitalisierung bei ORIGINAL+ noch weiter vorantreiben. „Trotz unseres digitalen Geschäftsmodells befinden wir uns erst bei einem Digitalisierungsgrad von zwanzig Prozent. Das betrifft zum Beispiel unsere Produktionsprozesse. Hier läuft zwar schon vieles digital ab, sie sind aber noch nicht ausreichend verkettet. Auch unsere Kommunikationsflüsse oder die digitale Bauteilverwaltung können wir noch besser digitalisieren. Wir wollen den Durchfluss von Material digital abbilden. Auch im Bereich Webshop und E-Commerce gibt es immer etwas zu verbessern“, sagt Siegfried Rumpfhuber.

www.original.plus/

Gepostet am 02.02.2021

Künstliche Intelligenz und Data Science eröffnen viele Möglichkeiten für KMU. Mit den Daten, die KMU sammeln, können Ressourcen effizienter eingesetzt, Kund:innennutzen geschaffen oder Prozesse optimiert werden.

Um Zugang zu Forschung im Bereich Data Science und KI zu bekommen, können sich Salzburger Unternehmen seit Oktober auch an das IDA Lab wenden. Das IDA Lab ist eine Kooperation zwischen Universität Salzburg (Projektleiterin), Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg Research Forschungsgesellschaft und Fachhochschule Salzburg und wird vom Land Salzburg im Rahmen der Wissenschafts- und Innovationsstrategie 2025 (WISS 2025) gefördert.

Die Forscher:innen des IDA Labs unterstützen die Unternehmen beim Verarbeiten ihrer Datenschätze. Dabei verstehen sie sich als regionale Anlaufstelle für Forschungsfragen aus Wirtschaft und Wissenschaft mit Data Science-Bezug.

Interessierte wenden sich an Ulrike Ruprecht (Projektmanagerin IDA Lab) unter
Ulrike.Ruprecht@sbg.ac.at

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