In Österreich und Deutschland werden bereits über die Hälfte der Geldautomaten mit Software von SBS betrieben. (Foto: ITG/ORF)

Kontaktlos Bargeld abheben dank der Salzburger Banken Software (SBS)

Die Salzburger Banken Software, kurz SBS, beschäftigt aktuell 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Mehrzahl davon ist in Österreich tätig, vereinzelt aber auch in Deutschland und der Schweiz. Im Interview hat uns Geschäftsführer Wolfgang Braunwieser erklärt, welche Technik sich hinter der Software befindet und wie es dabei um die Sicherheit steht.

Sie stellen die Software für die kontaktlose Geldabhebung her?

Braunwieser: Ja, die Salzburger Banken Software erstellt die Software für Geldautomaten und ist in diesem Bereich Marktführer in Österreich und in Deutschland. Die Lösungen der SBS unterstützen aber auch andere SB-Geräte für Banken, wie Kontoauszugsdrucker und Überweisungsterminals. Insgesamt werden derzeit mehr als 65.000 SB-Geräte mit einer Softwarelösung der SBS betrieben. Der Vorteil der SBS Lösung ist, dass sie herstellerneutral ist. Das heißt, die Bank kann sich das Gerät aussuchen und SBS kümmert sich darum, dass eine einheitliche Software von SBS auf diesem Gerät verwendet werden kann. Darüber hinaus bieten wir auch eine Softwarelösung an, mit der von einer zentralen Stelle aus tausende SB-Geräte gemanagt und überwacht werden können. Speziell für den Bereich der Kontaktlostechnologie haben wir unsere bestehende Softwarelösung um eine Komponente erweitert, die es erlaubt, auch NFC-fähige Mobiltelefone und Karten für die Bargeldauszahlung oder für andere Transaktionen am SB-Gerät zu verwenden.

Was läuft im Hintergrund ab, wenn man zu einem Bankomaten geht und kontaktlos abhebt?

Braunwieser: Auf der sogenannten Bankomatkarte ist ein winzig kleiner Chip installiert, auf dem ein Programm des Kartenausgebers läuft. Wenn der Bankkunde oder die Bankkundin die Karte in den Kartenleser steckt, wird ein Kontakt auf die Karte abgesenkt, der Chip mit Strom versorgt und das Programm im Chip der Karte kommuniziert dann mit der Software im Geldautomaten. Dabei werden beispielsweise die Daten zur Identifikation des Bankkunden ausgetauscht. Mit der Einführung der NFC-Technologie [Anm. d. Red.: „Nahfeldkommunikation“ ist eine Übertragungstechnik zum kontaktlosen Austausch von Daten] passiert im Grunde das Gleiche, nur in diesem Fall erfolgt die Kommunikation mit dem Chip kontaktlos. Der Einsatz dieser Technologie hat den Vorteil, dass für die Transaktionen am SB-Gerät aber auch an den POS-Kassen im Handel nicht nur Bankkarten, sondern auch Mobiltelefone oder andere NFC-fähige Endgeräte wie Uhren und Armbänder verwendet werden können, wenn darauf zuvor eine sogenannte virtuelle Karte installiert wurde.

Ist diese Art der Bargeldbehebung sicher?

Braunwieser: Ja, die kontaktlose Bargeldbehebung ist sicher, Sie werden über die Karte identifiziert und über die PIN-Eingabe wird festgestellt, dass Sie auch der rechtmäßige Besitzer oder die Besitzerin sind. Im Gegensatz zum kontaktlosen Bezahlen im Handel müssen Sie bei der kontaktlosen Bargeldbehebung immer den PIN eingeben.

Wenn jemand mein Handy stiehlt, hat er oder sie dann auch Zugang zu meinem Bankkonto?

Braunwieser: Wenn jemand Ihr Handy stiehlt, dann ist das bezogen auf die kontaktlose Bargeldbehebung so, wie wenn Ihnen jemand die Bankomatkarte stiehlt. Solange der Dieb oder die Diebin die PIN nicht hat, kann die Person die Karte nicht für die Bargeldbehebung nutzen. Das gilt jedoch nur für die Kartenfunktion. Die Mobile-Banking-App Ihrer Bank ist anders abgesichert. Zukünftig wir es hier noch einige neue Technologien zur Absicherung geben, vermutlich auf der Basis von biometrischen Merkmalen.

Arbeiten Sie hier mit den Banken zusammen, um auch deren Software sicher zu machen?

Braunwieser: Wir arbeiten natürlich mit Banken zusammen, um die Softwarelösung kontinuierlich sicherer zu machen, allerdings fokussiert sich unsere Zusammenarbeit mit den Banken auf die SB-Geräte. Für andere Vertriebskanäle der Bank, wie Mobile Banking oder Internet Banking gibt es andere Spezialisten.

Gibt es ein aktuelles bzw. zukünftige Digitalisierungsprojekt bei SBS?

Braunwieser: Wir sind auch in andere Digitalisierungsprojekte involviert, dürfen und wollen aber darüber noch nicht sprechen. Was ich dazu sagen kann ist, dass unser Know-how in allen Projekten nützlich ist, wo es darum geht, eine große Anzahl von Endgeräten zu managen und mit diesen Endgeräten verlässlich Geschäftsvorfälle abzuwickeln.

Wie sieht es in Sachen interne digitale, innovative Technologien bei SBS aus?

Braunwieser: Ich glaube, wir setzen zur internen Kommunikation alle Technologien ein, die derzeit state-of-the-art sind. Insbesondere, da wir auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben, die beispielsweise von Australien oder der Türkei aus in unseren Projekten tätig sind.

www.salzburgerbankensoftware.com

 

 

Gepostet am 30.04.2020

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