(Foto: geralt on pixabay)

KI Startup-Szene – klein, innovativ und vernetzt

Künstliche Intelligenz (KI)  – ein Begriff, den man immer öfter hört und oft mit Bildern von hochentwickelten Robotern aus Science-Fiction-Filmen verbindet. Doch KI ist gar nicht mehr nur reine Zukunftsmusik, sondern schon in unserem Alltag angekommen. Auch in Salzburg tummelt sich eine innovative KI-Szene, die wir euch hier vorstellen wollen.

Viele Unternehmen und Branchen arbeiten bereits tagtäglich damit, wie etwa die Automobilindustrie, die in der Produktion auf die Hilfe von Robotern zurückgreift. Aber auch im täglichen Leben begegnet uns KI – man denke nur an Sprachassistenten wie Siri und Alexa oder Algorithmen bei Onlineshops, Google oder sozialen Medien. Diese analysieren das Onlineverhalten und erstellen daraus Empfehlungen.

KI in Österreich und Salzburg

Laut einer Studie ist die Bedeutung von KI in Österreichs Wirtschaft ist noch gering, gewinnt aber immer mehr an Relevanz. Etwa 600 Unternehmen sind im Einsatzbereich der KI tätig. Besonders im KFZ- und Maschinenbau, der Herstellung von Metallerzeugnissen, aber auch im Finanz- und Versicherungswesen finden KI-Technologien Einsatz.
Österreich ist stark in der KI-Forschung. Auch die Paris Lodron Universität Salzburg im Fachbereich Data Science und die FH Salzburg im Fachbereich Informationstechnik & System-Management forschen zu diesem Thema.

Abseits der Forschung gibt es auch eine kleine, aber innovative Unternehmer/innen-Szene in Salzburg, die KI-Software programmieren oder anwenden. Ein Beispiel dafür ist die von Norbert Walchhofer und Wolfgang Lausenhammer gegründete Data Science Agentur cognify. Die Disziplin Data Science verknüpft die statistisch-mathematische Komponente von Daten mit Informatikkenntnissen und analytischem und auch wirtschaftlichem Know-how. Das Startup ist mittlerweile von der Zwei-Mann-Firma auf acht Mitarbeiter/innen angewachsen und hat bereits einige spannende Projekte durchgeführt.

Cognify – The Data Science Company

Cognify ist im Bereich Machine Learning tätig. Das bedeutet, sie entwickeln aus den Daten der Kund/innen, den sogenannten Trainingsdaten, einen Algorithmus. Die Software lernt aus den Erfahrungen der Trainingsdaten und wird so „intelligent“. Cognify entwickelt diese Algorithmen etwa für Webshops, die das Nutzungsverhalten der Kund/innen ermitteln und ihnen passend nach ihren Interessen und Präferenzen personalisierte Angebote ausspielen. Diese Art von Algorithmus kennen wir beispielsweise von Amazon.

Um sich für die Zukunft noch breiter aufzustellen, möchte cognify nicht nur Dienstleister sein, sondern auch eigene Produkte und Services entwickeln. Ein erster Schritt wurde dafür bereits in Zusammenarbeit mit der Salzburg AG gemacht – durch die Entwicklung der Plattform FlexPowerHub. Diese ermöglicht es, die Preisgestaltung von Teilnehmer*innen am Energiemarkt zu automatisieren. Der Energiemarkt ist sehr schnelllebig, bei der sich die Verfügbarkeit von Energie rasch ändern kann. Wenn beispielsweise die Sonne scheint, hat ein Marktteilnehmer von Sonnenenergie mehr Ressourcen anzubieten als bei Regentagen. FlexPowerHub ermöglicht den Energieanbietern, die Angebote nicht mehr händisch eingeben müssen. Ein Algorithmus bezieht zahlreiche Datenquellen, wie etwa Wetterdaten und historische Preisentwicklungen mit ein und automatisiert die Angebotserstellung.

Dass das Thema KI, Automatisierung und Data Science gerade so aktuell sind, hat den zwei Unternehmern in die Karten gespielt. „Der Zeitgeist hilft uns natürlich. Vor fünf Jahren war das aber noch ganz anders“, so Norbert Walchhofer.

v.l.n.r.: Norbert Walchhofer (Gründer), Wolfgang Lausenhammer (Gründer), Christina Kastner, Marvin Schubert, Veronika Haaf und Martin Simmerstatter. (Foto: cognify KG)

Fact AI bringt das Beratungsgespräch in den Webshop

Diesen Zeitgeist haben auch die Gründer von Fact AI erkannt. Fact AI hat ein eigenes KI-Modul, den Sales Booster, entwickelt, welches die Beratung in einem Geschäft online nachahmt. Webshops haben oft eine unübersichtlich große Produktpalette, welches den oder die Käufer/in leicht überfordern kann. Die KI von Fact AI unterstützt sie beim Kauf, stellt Fragen zum gewünschten Produkt, wertet diese Daten aus und schlägt das geeignetste Produkt vor. Die KI lernt auch aus erfolgreichen und gescheiterten Kaufberatungen und wird dadurch intelligenter. Außerdem erkennt sie, in welchem Stadium die Kundin oder der Kunde sich gerade befindet – etwa, ob die Suche noch sehr vage ist oder sich bereits auf ein bestimmtes Produkt konzentriert. Die KI stellt je nach Situation auch die richtigen Fragen – so wie bei einem Beratungsgespräch in einem Geschäft.

Der Sales Booster ist ein standardisiertes Produkt, welches sich leicht an den jeweiligen Webshop und dessen Anforderungen anpassen lässt. In Zukunft möchte Fact AI das Produkt möglichst breit am Markt etablieren. Einige Unternehmen verwenden die KI bereits, etwa auch das Salzburger Startup Original+ oder die Porsche Holding.

Die Unternehmer Arnold Keller und Emanuel Schattauer kommen aus unterschiedlichen Bereichen und haben ihre Expertise zu KI im Silicon Valley und durch Forschungskooperationen mit der FH Salzburg erworben. Martin Schnöll, der erste Mitarbeiter von Fact AI, ist FH-Absolvent im Data Science Bereich. Er und Arnold von Fact AI als auch Norbert Walchhofer von cognify unterrichten mittlerweile auf der FH und geben ihr Wissen weiter.

(v.l.n.r.) Fact AI mit Sarah Stas, Arnold Keller, Emanuel Schattauer, Martin Schnöll, Michel Doblhofer (Foto: Fact AI)

KI-Szene in Salzburg: Man kennt und schätzt sich

Arnold Keller schätzt die KI-Szene in Salzburg: „Man kennt sich und tauscht sich auch regelmäßig aus“. Fact AI hat gemeinsam mit der FH Salzburg und Blumatix eine Online-Community zum Thema Machine Learning in Salzburg auf der Plattform Meetup aufgebaut. Blumatix ist ein weiteres innovatives Startup, welches eine KI zur automatischen Rechnungserkennung entwickelt hat.
Auf der Online-Plattform findet ein regelmäßiger Austausch der Salzburger Community statt, auch Online- und Offline-Meetings wurden bereits abgehalten. Mit den Data Science Schwerpunkten an der Universität und an der FH ist Salzburg auch mit Nachwuchskräften gut aufgestellt. Die KI-Szene in Salzburg hat daher gute Chancen, in Zukunft weiterhin zu wachsen und gedeihen.

 

Gepostet am 31.08.2020

Kurz gesagt versucht KI, das menschliche Lernen mit Maschinen zu simulieren. Unser Gehirn ist komplex. Elektrische Signale zwischen tausenden Neuronen ermöglichen, dass wir Lernen. Genau das versucht KI mit künstlichen neuronalen Netzwerken nachzuahmen. Maschinen verarbeiten Daten, lernen aus darin versteckten Mustern und erlangen so ihre problemspezifische Intelligenz. Diesen Prozess nennt man Maschinelles Lernen. KI ist daher einfach gesagt Software, die Roboter oder Computer befähigt, komplexe Probleme und vorgegebene Aufgaben anhand von Daten zu lösen.

Es gibt verschiedene Teilgebiete der KI, die bereits vielfältig eingesetzt werden. Hier nur ein Auszug der Teilgebiete:

  • Musteranalyse und Mustererkennung: Diese Art der KI kann Bilder und Formen erkennen. Dies begegnet uns bereits in der Gesichtserkennung, Abgleich von Fingerabdrücken oder Handschrifterkennung.
  • Natural Language Processing: Dabei geht es um automatische Spracherkennung und -verarbeitung, wie etwa bei Sprachassistenten wie Alexa oder Chatbots.
  • Robotik: Roboter sind smarte und autonom agierende Maschinen, die sich selbstständig an neue Situationen anpassen können und in Echtzeit lernen. Sie werden oft eingesetzt für monotone Aufgaben wie etwa in der Automobilproduktion zum Schweißen oder Lackieren oder bei schwer bewältigbaren Aufgaben für den Menschen, wie etwa bei der Minensuche.
  • Wissensmodellierung: Hier werden Wissensbasen für Expert*innen aufgebaut und können auf komplexe Fragen auf der Grundlage von Fachwissen und daraus gezogenen logischen Schlüssen Antworten liefern. Wissensbasierte Systeme werden beispielsweise bei der Diagnose von Krankheiten verwendet.

Heute wird KI schon vielfältig für vorgegebene Aufgaben eingesetzt: Sprach- und Bilderkennung wie bei Chatbots, Roboter in der Produktion und Industrie, die Arbeitsschritte automatisieren, selbstfahrende Fahrzeuge und viele mehr.

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