(Foto: Fernfracht Gimmelsberger)

Fernfracht Gimmelsberger: Digitale Routen- und Prozessoptimierung

Die Logistikbranche ist ein heiß umkämpfter Markt. Jeder unnötig gefahrene Kilometer kostet Zeit und Geld. Effiziente Routeneinteilung der LKW spielt daher eine große Rolle. Dies ist für Speditionen aber oft eine Herausforderung. Speditionen haben meistens keinen eigenen Fuhrpark, sondern arbeiten mit externen Transportunternehmen, sogenannten Frächtern, zusammen. Die LKW-Fahrer/innen der Frächter wickeln die Transportaufträge der Speditionskunden ab. Aufgrund dieser Strukturen ist es Speditionen oft nicht bekannt, wo sich ein LKW während des Transportauftrags gerade befindet oder ob die Fahrerin oder der Fahrer die Ladung pünktlich abliefern kann. Effiziente Routenplanung ist so ein schwieriges Unterfangen. Innovative Lösungen, die diese Prozesse optimieren, sind gefragt.

Alles digital mit Fernfracht Tracking App

Die Salzburger Spedition Fernfracht Gimmelsberger hat dafür die „Fernfracht Tracking App“ entwickelt. Diese digitalisiert die Prozesse, die sich rund um die Beladung, den Transport und die Entladung drehen. Die Transportaufträge werden mit der App direkt auf das Smartphone der Fahreri/innens übermittelt. Während der Abwicklung des Auftrags erhalten sie alle Informationen über die App. Außerdem können sie damit der Spedition Fernfracht Gimmelsberger regelmäßig den aktuellen Status bekannt geben, zum Beispiel wo sich der LKW gerade befindet oder wie lange für den Auftrag noch benötigt wird. Ist der Transportauftrag abgeschlossen, können die Fahrer/innen die Ablieferbelege direkt in die App hochladen.

Doch nicht für alle Transportpartnerunternehmen der Fernfracht Gimmelsberger ist der Einsatz der App möglich. „Viele Fahrer/innen stammen aus einer älteren Generation und fühlen sich mit digitalen Tools überfordert. Die App müssen sie selbst bedienen. Wir haben daher an einer Lösung gefeilt, bei der sie nichts mehr tun müssen“, sagt Roland Gasser, Geschäftsführer der Fernfracht Gimmelsberger.

Alles automatisiert mit „Fernfracht Platform Service“

Im letzten Jahr entwickelte die Spedition auch dafür eine Lösung: die „Fernfracht Platform Service“. Diese Online-Plattform generiert alle relevanten Informationen für die Transportabwicklung aus GPS-Daten. Die separate Übermittlung von zum Beispiel LKW-Standortdaten ist dadurch nicht mehr notwendig. „Die Fahrer/innen müssen durch die „Fernfracht Platform Service“ nichts mehr machen. Sie bekommen das gar nicht mehr mit, was im Hintergrund läuft“, erklärt Roland Gasser. Die Plattform ergänzt die App, ersetzt sie aber nicht. Die meisten LKW sind mit GPS-Tracker ausgestattet, aber eben nicht alle.

Für die Abwicklung von Aufträgen, beispielsweise für einen Transport von Hamburg nach Wien, wird ein sogenanntes Geofence auf dieser Strecke errichtet. Das Geofence grenzt das GPS-Tracking auf die bestimmte Strecke ein, zum Beispiel von der Beladungsstelle in Hamburg zur Entladestelle in Wien. Durchbricht die Fahrerin oder der Fahrer dieses Geofence in einem Umkreis von fünfzehn Kilometer zur Beladestelle, übermittelt der GPS-Anbieter die GPS-Daten an die Fernfracht Gimmelsberger. Das Geofence stellt sicher, dass nur die GPS-Daten an die Salzburger Spedition übermittelt werden, wenn die Fahrer/innen auch gerade für diese tätig sind. Ist der LKW gerade für eine andere Spedition im Einsatz, kann die Fernfracht Gimmelsberger nicht auf die GPS-Daten zugreifen. So wird der Datenschutz gewährleistet.

Durchgehende Transparenz und Qualitätskontrolle

Die Fernfracht Gimmelsberger kann durch die GPS-Daten ständig nachvollziehen, wo sich der LKW gerade befindet. „Früher waren wir hier blind und haben uns darauf verlassen, dass der LKW termingerecht die Ladung abholt und wieder abliefert“, erklärt Roland Gasser. Das GPS-Tracking ermöglicht durchgehende Transparenz und Qualitätskontrolle.

Mit der „Fernfracht Platform Service“ weiß die Spedition jederzeit, wo sich ihre LKW gerade befinden. (Foto: Fernfracht Gimmelsberger)

Kilometer einsparen durch Routenoptimierung

Die Online-Plattform berechnet stündlich den voraussichtlichen Ankunftstermin des LKWs bei der Entladestelle neu. Mögliche Staus werden mit einkalkuliert. Diesen Wissensvorsprung kann das Speditionsunternehmen nützen, um die Routeneinteilung der LKW genauer zu planen und die Routen so zu optimieren. „Wenn die Spedition weiß, dass ein LKW zum Beispiel um 14 Uhr bei der Entladestelle in Wien ankommt, kann sie ihn anschließend für eine neue Beladung in Wien einplanen. Weiß sie das nicht, muss sie einen anderen LKW zur Beladung schicken“, erklärt Roland Gasser. Das GPS-Tracking gibt daher auch Planungssicherheit und Flexibilität. „Besonders die Anschlussrouten können wir besser planen und dadurch auch Anfahrtskilometer einsparen. Wir konnten ca. fünfzig Prozent der Anfahrtskilometer einsparen. Das sind etwa eine Million Kilometer pro Jahr.“

Durch eine Schnittstelle zu den Kund/innen können diese ebenfalls jederzeit abrufen, wann der LKW bei ihnen eintreffen wird. Über Abweichungen, ausgelöst beispielsweise durch einen Stau, werden sie automatisch informiert.

Digitale Abrechnung bringt besseren Cashflow

Die Ablieferbelege, die die Fahrer/innen nach der Abwicklung des Transportauftrags bekommen, können sie in die App oder auf die „Fernfracht Platform Service“ hochladen. Dadurch wird automatisch eine Gutschrift innerhalb von 48 Stunden per E-Mail an das Transportunternehmen ausgelöst. Eine schnelle Zahlungsabwicklung verbessert den Cashflow der Frächter und auch der Fernfracht Gimmelsberger, da diese auch schneller die Ausgangsrechnung an die Kund/innen erstellen können.

Papierloses Büro: effizient und wirtschaftlich

Geschäftsführer Roland Gasser (Foto: Fernfracht Gimmelsberger)

„Unser Büro ist vollkommen papierlos. Früher haben wir viel Zeit dafür aufgewendet, Dokumente wie Ablieferbelege zu prüfen, abzulegen oder per Post zu versenden. Das digitalisierte Büro ist viel effizienter und wirtschaftlicher, denn diese Tätigkeiten sind zu hundert Prozent weggefallen“, so Roland Gasser. Die gesamte Kommunikation mit den Frächtern passiert nur mehr über die Plattform. Anfragen bearbeitet das Team der Fernfracht Gimmelsberger über einen Chat. So wird die Kommunikation auf einem einzigen Kanal lückenlos dokumentiert und die gesamte Firma kann darauf zugreifen.

Das digitale Büro hat eine breit angelegte Umschulung des gesamten Teams erfordert. Auch auf die Lehrlingsausbildung hat es Auswirkungen. Die Azubis werden von Anfang an voll in das Prozessgeschäft integriert und erledigen Tätigkeiten wie auch die anderen Teammitglieder, die bereits fünf oder zehn Jahre im Unternehmen sind. Die Veränderungen durch die Digitalisierung waren also sehr tiefgreifend. Nicht alle Mitarbeiter/innen haben die Umstellung begrüßt. Die Geschäftsführung musste dafür viel Überzeugungsarbeit leisten – laut Roland Gasser mit Erfolg. Mittlerweile sind die digitalen Prozesse gut eingespielt.

Für die Entwicklung der Plattform hat die Spedition die Digitalförderung des Landes Salzburg bekommen. Die ITG stand ihr bei der Einreichung des Antrags zur Seite. Mit der „Fernfracht Platform Service“ ist das Unternehmen Vorreiter in der Branche. Doch damit gibt sich das Unternehmen nicht zufrieden. Sie soll weiter ausgebaut und verbessert werden.

 

 

Gepostet am 03.12.2020

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